Sonntag, 05. Feber 2012
   
Hindus im Krankenhaus...
© ...begegnen uns zwar nicht täglich, aber wenn, dann finden wir hier wichtige Hinweise | Bedürfnisse in der Pflege | Umgang mit dem Tod | Kontaktpersonen | eine Initiative von Antonia K.

Vorbemerkungen
Pflege im Spital
Umgang mit Sterben und Tod
Kontakte



Vorbemerkungen

Aus verschiedenen Gründen - unter anderem, weil sie im 22. Bezirk wohnt und weil eine meiner Intensivstationen grad über ein Projekt mit ihr Kontakt hat - bin ich in letzter Zeit öfter mit Frau Kundu zusammengekommen. Sie ist die (deutsche) Frau eines hinduistischen Priesters und Vorsitzende des Hindu-Vereins.

Im Sommer hat ihre Gemeinschaft an Hinweisblättern gearbeitet, die die Bedürfnisse von kranken, bzw. sterbenden Hindus formulieren. Sie hat sie mir nun übergeben mit der Bitte, sie an möglichst viele Seelsorger weiterzuleiten, einfach als Info. Mir persönlich ist ja noch kein Hindu untergekommen. Aber es ist sicher nützlich, eine kleine Handreichung zu haben, auch wegen evtl. Anfragen von Stationen.

Eure Antonia



Hinweise auf Bedürfnisse in der Pflege von Hindus

Zu beachten ist, dass Hindus keine homogene Gemeinschaft sind, sondern aus völlig unterschiedlichen Traditionen kommen. Die Erfordernisse werden sehr unterschiedlich sein. Es wäre darum wichtig, dass Sie sich immer wieder neu erkundigen und mit Patienten sowie Angehörigen im ständigen Kontakt sind.
Hier gilt mehr als sonst: Das psychische Wohlbefinden jedes Patienten ist für seine allgemeine körperliche Gesundheit von großer Bedeutung.
 

Was gibt es bei der Pflege zu beachten?

Körperpflege ist für Hindus besonders wichtig. Die tägliche Dusche (zumindest eine Ganzkörper-Waschung) und zweimalige Mundpflege immer ermöglichen, wenn nicht medizinische Einwände dagegen bestehen.
 

Intimsphäre im Spital.

Es gibt normalerweise keine Einschränkungen ob sich eine Frau von einem männlichen oder weiblichen Arzt untersuchen lässt. Aber auch hier gibt es Ausnahmen in der Tradition. Körperpflege durch einen männlichen Pfleger jedoch können indische Frauen nicht akzeptieren. Prinzipiell ist das Schamgefühl bei den meisten sehr ausgeprägt und solche Situationen bedeuten für sie erheblichen Stress. Für das Pflegepersonal mögen diese Dinge Kleinigkeiten sein, welche die Routine im Alltag stören - für eine indische Frau kann davon ihr Wohlbefinden im Spital entscheidend abhängen.
 

Essen

Essensgewohnheiten von Hindus können sehr unterschiedlich sein - dennoch sind sie für die jeweilige Tradition unbedingt verbindlich. So sind etwa viele Hindus Vegetarier, und ihnen ist streng vegetarische Kost auch hier im Westen wichtig. (und diese Kost ist ihnen auch hier im Westen sehr wichtig) Die Mehrheit wird aber trotzdem Fleisch essen. In einigen Traditionen isst man auch weder Ei (und sämtliche Produkte daraus) noch Zwiebeln und Knoblauch. (Wird in Österreich eher selten vorkommen). Man sollte Hindus prinzipiell nach Einschränkungen im Hinblick auf das Essen fragen!

Rindfleisch und alle Produkte daraus (Suppen, Soßen, Wurst etc.) sind für Hindus traditionell tabu.

Vielleicht haben Sie schon beobachtet, dass Inder sich Essen ins Spital mitnehmen. Das hat nicht nur kulturell/religiöse Gründe, aber wenn nicht medizinische Bedenken dagegen sprechen, sollte es gestattet sein.

Eine Beratung hinsichtlich des Essens ist wichtig!
Stellt ein Patient seine Mahlzeiten mit Hilfe einer Karte selbst zusammen, wird er das Richtige wählen. Jemand vom Pflegepersonal wäre aber möglicherweise als Berater wichtig, damit er sich unter den Speisen etwas vorstellen kann. So bringt etwa nicht jeder Tafelspitz mit Rindfleisch in Verbindung und auch, dass viele Suppen auf Rindfleischbasis bestehen, ist nicht jedem bekannt.



Hinweise zur Vorbereitung auf das Sterben

Hinduismus ist eine vielfältige Religion mit sehr unterschiedlichen Glaubensrichtungen. Darum können je nach Glaubensrichtung und nach lokalen Traditionen die Bedürfnisse von Hindu-Patienten sehr unterschiedlich sein.

Prinzipiell immer mit den Angehörigen Wünsche und Notwendigkeiten abklären!

Möglicherweise werden Patienten ihre speziellen Wünsche nicht von selbst an Sie heran tragen. Wenn Sie aber im Anlassfall als Pfleger/Pflegerin oder Arzt/Ärztin von sich aus nachfragen, können Sie allen Beteiligten die Situation erheblich erleichtern.

Hindus glauben an den Kreislauf von vielen Geburten (Wiedergeburt). Danach ist die Art wie jemand stirbt wichtig für das Wohl des Individuums nach dem Tod des Körpers.

Religiöse Riten sind darum nach dem Tod, aber auch vorher, für viele eine wichtige Unterstützung.

  • Grundsätzlich ist der Sterbe-Raum angenehm zu gestalten, etwa mit Blumen, wenn es möglich ein Räucherstäbchen etc.
  • Auf Wunsch, bzw. wenn keine Angehörigen da sind, sollte man einen Priester rufen. Vielleicht besteht auch der Wunsch, einen kleinen zeremoniellen Gottesdienst, eine Puja, durchzuführen.
  • Wenn Angehörige und Patienten es wünschen, sollte man Gelegenheit geben, eine kleine Zeremonie zu machen, deren Bedeutung in etwa der Krankensalbung bei den Katholiken entspricht. Die Zeremonie kann nicht nur vom Priester durchgeführt werden, Angehörige oder Freunde können es ebenso tun (Gangeswasser, das wichtige "Weihwasser", wird von uns auf Wunsch bereitgestellt):
  • Unter Segens-Gebeten gibt man einige Tropfen Gangeswasser und ein Blatt einer heiligen Pflanze, ein Tulsi, in oder auf den Mund. Unter dem Klang einer kleinen Glocke wird derKranke unter dem Schwenken eines kleinen Lichtes gesegnet (kleine Butter- oder Öllampe, evtl. eine Kerze), und ein Stirnpunkt gegeben.

Besonders wichtig und hilfreich wäre es, wenn Sie dazu die notwendige Ruhe und den Respekt der Außenstehenden sichern könnten.

  • Wenn ein Hindu im Sterben liegt, ist zu erwarten, dass viele Angehörige, Freunde und Kollegen kommen. Üblicherweise nimmt jeder vom Sterbenden Abschied, nicht erst nach dem Tod auf dem Friedhof. Eine Beschränkung auf die nächsten Angehörigen würde darum eine besondere Härte bedeuten. Aus diesem Grund sollte nach Möglichkeit ein separierter, würdevoller Raum zur Verfügung stehen.
  • Manche Traditionen betrachten es als unerlässlich, den Sterbenden auf den Boden zu legen. Wenn keine wichtigen Gründe dagegen sprechen, sollte auch das auf Wunsch der Angehörigen erlaubt sein.
  • Hindus gehen davon aus, dass der Geist des Verstorbenen nach dem Tod noch einige Zeit anwesend ist. Darum sollte die Leiche bis zu ihrer Verbrennung nicht allein sein. Also gibt es die Tradition der Totenwache (die auch wesentlich für die Trauerarbeit der Hinterbliebenen sein kann). Vielleicht ist das im Spital nicht durchführbar. Trotzdem sollte man darauf achten, dass ein würdiger Abschied möglich ist. Falls gewünscht, den Hinterbliebenen auch nach dem Tod eine längere Zeit der Anwesenheit ermöglichen, auf Wunsch zumindest so lange, bis die Leiche von der Station gebracht wird.



Kontaktadressen und weitere Hinweise

Die Kontaktmöglichkeiten sind für das Spitalspersonal gedacht, jedoch auch für Seelsorger möglicherweise von Bedeutung. Um Missbrauch vorzubeugen, ist es jedoch nicht möglich, sie an dieser Stelle zu veröffentlichen. Wer daran Interesse hat, möge sie bitte mittels mail bestellen - wir werden sie gerne weiterleiten.

weiterführende links zum Thema Hinduismus:

wikipedia: Hinduismus
wikipedia-portal: Hinduismus
Religion ORF: Hinduismus
 


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